In der Kunst der vergangenen hundert Jahre nehmen abstrakte Bilder (in der Malerei und Skulptur, in Film und Tanz) einen prominenten Platz ein. Dabei benutzen bereits seit 50 Jahren KünstlerInnen den Computer als Instrument zur Entwicklung abstrakter Bildformen. Diese Geschichte der digitalen Abstraktion wird in kunsthistorischen Ausstellungen und in der Fachliteratur erst vereinzelt erzählt.  Weiter lesen …

Das Projekt Digitale Abstraktionen untersucht abstrakte Bildarbeiten der digitalen Gegenwartskunst und bringt sie in einer Online-Sammlung in Verbindung mit Vorläufern aus der modernen Bild- und Kunstgeschichte. Im Fokus der Recherche stehen bewegte Werke mit mathematischer Grundlage, das heisst Werke, deren Formgebung sich auf ein mathematisch-generatives Programm, auf Algorithmen oder, ikonografisch formuliert, auf Grundformen wie Kreis, Linie und Quadrat, auf Kurven und Muster abstützen. Dahinter können Konzepte der Sound- oder Datenvisualisierung stehen, oder die kompositorische Arbeit mit mathematischem Kalkül. Bei der Untersuchung abstrakter Bildformen stellt sich die Frage, in welchem Verhältnis sie zur realen Welt stehen. Beziehen sie sich auf die sichtbare Realität, und in welcher Weise tun sie das? Oder beanspruchen sie den Status einer blossen Form, ohne Zeichencharakter? Die Konzepte der abstrakten Kunst haben zu dieser Frage während der letzten hundert Jahre schon viele Antworten gegeben und Varianten durchgespielt. So ist die Frage nach der Referenz eine Kernfrage jeder abstrakten Bildarbeit und folglich auch unserer Untersuchung.

Zwischen reiner Abstraktion und Darstellung von Welt entwickelt sich die abstrakte Kunst weiter. Die Welt, auf die sie sich gegenwärtig bezieht, ist durchdrungen von den Strukturen der Computersysteme und dabei an sich schon abstrakt. Der Computer ist zum ultimativen Werkzeug unserer Zeit geworden. Binäre Zustände, die bereits in der Malerei von Malewitsch genutzt wurden, sind über die Jahre komplexe Verschaltungen eingegangen und haben zu einem abstrakten Datenraum geführt, in dem wir uns heute alltäglich bewegen.

In der Ausstellung ‚Digitale Abstraktionen‘ im HeK (Haus der elektronischen Künste Basel) machen wir es uns zur Aufgabe, die Entwicklung des abstrakten Bildes im digitalen Zeitalter am Beispiel von Werken einer zeitgenössischen Generation von Künstlerinnen und Künstlern weiterzuerzählen. Im Überblick über die Ausstellung lassen sich zwei Themenfelder erkennen, denen sich viele Werke zuordnen lassen: der Verbindung von Abstraktion und Raumbild und die künstlerische Arbeit mit wissenschaftlicher Abstraktion. Gezeigt werden Werke, die auf algorithmischen Methoden der Bildzerlegung basieren, immersive audiovisuelle Installationen und Videofahrten durch abstrakte Bildräume, die ebenso von Computerspielen wie von 3D-Architekturmodellen oder von Google Street View inspiriert sind. Gemeinsam mit den Künstlern und Künstlerinnen überschreitet die Ausstellung die Grenze zwischen U und E, zwischen Populärkultur und Bildungsästhetik. Einzelne Werke lassen etwa an skulpturale oder animierte Comics denken. Sie bieten ein geklontes, gelooptes, fraktal transformiertes Zerrbild der Wirklichkeit, changierend zwischen Affirmation und Ironie. Andere Werke der Ausstellung verbinden ein künstlerisches Konzept mit der Ästhetik von Wissenschaftsbildern oder entwickeln zur Illustration eines politischen Narrativs eine hybride Gestalt zwischen Kunst und Informationsdesign.

Manche Themen des Projekts ‚Digitale Abstraktionen’ werden heute in relevanten Ausstellungen der zeitgenössischen Kunst diskutiert, so die Verbindung von Kunst mit den Naturwissenschaften, mit Architektur und virtuellem Raum, mit Datenvisualisierung und Datenüberwachung. Aktuell sind auch Verfahren der Transmedialität, etwa der immersiven Soundvisualisierung oder der audiovisuellen Liveperformance, und Verfahren der Interaktivität – wie man sie etwa in den von Künstlerinnen und Designern gestalteten abstrakten Apps für Smartphones und Tablets findet.

Die Ausstellung
Die Ausstellung ‚Digitale Abstraktionen’ findet vom 7.04 bis 22.05  im HeK (Haus der elektronischen Künste Basel) statt und wird kuratiert von Alexandra Adler und Reinhard Storz. Die Eröffnung ist am Mittwoch 6.April um 19.00. Bereits um 17.30 findet ein Artist Talk mit Rafaël Rozendaal statt, im Anschluss an die Eröffnung ca. um 20.00 eine audiovisuelle Performance mit Rainer Kohlberger.  Liste der KünstlerInnen

Der Blog
Der Blog dient den Projektbeteiligten und interessierten Fachleuten als Forum zum thematischen Austausch. Hier denken wir über Aspekte der digitalen Abstraktion nach und verweisen auf einschlägige Werke und Kontexte.

Der Katalog
Der Onlinekatalog ist konzipiert als Sammlungs- und Reflexionsraum, als ordnendes Werkzeug zum bilderbasierten Nachdenken und In-Beziehung-Setzen von historischen und zeitgenössischen Werkbeispielen. Er besteht in einer multimedialen Sammlung von abstrakten Bildformaten der modernen Bildgeschichte und der digitalen Kunst, mit Schwerpunkt auf bewegten Werken.

Das E-Book
Für April 2016 ist ein E-Book mit Beiträgen von AutorInnen und KünstlerInnen vorgesehen. Das gewählte E-Book-Format für Tablets und Smartphones erlaubt die Einbindung von Animationen. Liste der AutorInnen

 

Credits 
Projektinitiator und Online-Redaktor: Reinhard Storz
Konzeptuelle Mitarbeit: Elisabeth Ritschard
Die Ausstellung wird kuratiert von Alexandra Adler und Reinhard Storz
Blog-Webmaster: Esther Hunziker

 

Das Projekt Digitale Abstraktionen ist eine Co-Produktion von Xcult.org, dem Institut Kunst der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel / FHNW und dem HeK (Haus der elektronischen Künste Basel).

 

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Das Projekt wird unterstützt von der Christoph Merian Stiftung und dem Fachausschuss Audiovision und Multimedia BS/BL.

 

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