Julia Stephan, Basler Zeitung, zu Beam me up, 22.01.10
Digitale Raumdurchquerung
Projekte von Medienkünstlern und Wissenschaftlern im Plug-in

Digitale Kunstwerke aus der Internetplattform «Beam me up», ein offenes Projekt an der Schnittstelle von digitaler und realer Räumlichkeit.

Das bekannte Zitat «Beam me up» aus der Science-Fiction-Serie Enterprise gibt derRaumschiff Ausstellung ihren Namen. Tatsächlich führt sie uns in die unendlichen Weiten der digitalen Welträume. Doch weil der Eintritt in den Cyberspace bis heute nur via Bildschirm funktioniert und «Beamen» noch keine Alltagspraxis ist, hat Annette Schindler die Architekten Morger + Dettli beauftragt, im Plug-in einen Raum zu gestalten, der die flüchtigen digitalen Kunstwerke im Raum verankert.
Der Boden ist weiss gestrichen, transparente Kabel sind durch den fast leeren Raum gespannt und vernetzen die Computerbildschirme an den Wänden. Eine Entmaterialisierung des Raumes nennt Schindler diesen Vorgang. Eines der Kabel führt durch das Fenster nach draussen ins Ungewisse.

INTERAKTIV. Auch die Projekte, die über die an den Wänden montierten Bildschirme flimmern, interagieren mit der Aussenwelt. Die Daten werden direkt vom Internet abgerufen. So entwickeln sich die Ausstellungsobjekte kontinuierlich
weiter, sagt Reinhard Storz von «Xcult», einer Internetplattform, die sich für kollektive Kunstprojekte einsetzt. «xcult» hat die Internetplattform «Beam me up» initiiert und ist Mitfinanzierer des Projektes. Zusammen mit Schindler kuratiert
Storz zugleich die Basler Ausstellung, in der das Internetangebot inhaltlich aufbereitet wurde. Auf der Plattform «Beam me up» haben sich weltweit Künstler und Wissenschaftler in Auftragswerken zum Thema Raum geäussert.
Einer davon ist Marc Lee. Der Schweizer Medienkünstler hat das Programm «Live Stream TV-Bot 2.0» entwickelt. Es sammelt News von Medienkanälen aus allen fünf Kontinenten und vereint sie zu einem sich ständig aktualisierenden Nachrichtenereignis. Was ist zu tun, um im gläsernen Internetzeitalter seine Persönlichkeit zu schützen? Die Gruppe Knowbotic Research gibt mit «Macghillie – just a void» eine ebenso einfache wie radikale Antwort: Gib deine Identität auf, werde transparent. Die Medienkünstlerin Esther Hunziker ist mit «Frequency» den umgekehrten Weg gegangen: Sie hat den digitalen Raum aufgelöst, indem sie ein Internetvideo derart verfremdete, dass Farbe zerfliesst und Geräusche verschwimmen. Projekte zu Computerspielen wie das vom chinesischen Medienkünstler Jieming Hu oder vom Amerikaner Alan Sondheim zeigen, wie sich virtuelle und reale Welten überlagern.

KOSMISCH. Beachtenswert sind auch die Beiträge aus der Wissenschaft: Die Physikerin Jayanne English zeigt, dass in der Astronomie Modelle vom Kosmos entworfen werden, die zugleich sehr ästhetisch sind, und rüttelt damit an der traditionellen Trennwand zwischen Kunst und Wissenschaft.
Wenn der Ausstellungsraum in diesen Tagen von den Besuchern abgeschritten wird, wird man auf dem weissen Belag viele Fussabdrücke finden. Im Netz hinterlässt man zwar keinen Strassenschmutz, aber auch aus digitalen Räumen kann man nicht spurlos verschwinden. Um dies zu zeigen, ist geplant, die Ausstellung im zweiten Teil mit interaktiven Steuerelementen zu erweitern, damit die Besucher der
digitalen Welt ihre eigene Prägung aufdrücken können.